G7-Gipfel in Elmau: Hat sich also doch gelohnt

Was haben die Kritiker vor dem G7-Gipfel in Elmau geunkt: “Bäh, solche Gipfel führen doch zu nichts, bringen nichts. Haben sie schließlich noch nie. Und wie teuer der Gipfel wieder wird, 360 Millionen Euro! Und das für nichts. Ist doch scheiße!”

Ich selbst dachte flüchtig daran, wie einfach es wäre, auf einen Schlag 7 der größten auf diesem Planeten wandelnden Arschlöscher loszuwerden, verwarf diesen Gedanken aber schnell wieder, da mehr als genug mindestens ebenso große Arschlöcher in Reihe 2 mit den Hufen scharren.

Zum Glück wurden wir eines Besseren belehrt. Der G7-Gipfel war ein voller Erfolg. Hier ein paar Schlagzeilen:

sueddeutsche.de: Das Jahrhundertversprechen von Elmau, Michael Bauchmüller, Cerstin Gammelin

spiegel.de: G7-Beschluss in Elmau: Umweltschützer feiern historisches Klimaversprechen, Axel Bojanowski

tagesschau.de: Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel, Kommentar von Clemens Verenkotte, BR

Ja, ja, da war sie wieder, die Klimakanzlerin Angela Merkeltm und sie hatte eiskalt zugeschlagen. Immer dann, wenn niemand mit ihr rechnet, haut sie Einen raus. Und was für Einen! Wie oben gesehen ein Jahrhundertversprechen.
Dumm nur, dass schon wenige Tage nach dem Gipfel bekannt wurde, dass die geplante Sonderabgabe für klimaschädliche Kohlekraftwerke nicht kommen wird*. Nennt man das jetzt “Mit gutem Beispiel vorangehen”?
Egal, wichtig war einzig und allein, dass man sich zum heute schon nicht mehr erreichbaren Zwei-Grad-Ziel bekannt hat.

Klimaschutz wäre also abgehakt, schauen wir auf die anderen Themen des G7-Gipfels.

TTIP. Ja gut, man hatte jetzt nicht das Gefühl, dass die Bedenken des Volkes auch nur annähernd eine Rolle gespielt hätten. Fast könnte man das Gegenteil annehmen, wenn man Dinge las wie:
“Zudem wolle man mit den bilateralen Freihandelsabkommen schnell weiterkommen. Ein solches Abkommen der EU mit Kanada (Ceta) sollte schnell umgesetzt werden und bei dem umstrittenen Abkommen der EU mit den USA sollten noch in diesem Jahr deutliche Fortschritte gelingen.”**
In diesem Zusammenhang mag es interessant erscheinen, dass es sich bei allen teilnehmenden Nationen um Demokratien handelte.

Spionage. War kein Thema, weil sich die anwesenden Demokratien hier einig sind. Gegenseitige Spionage ist ein annehmbarer Kollateralschaden beim Vorhaben, die eigenen Bürger möglichst umfassend auszuspionieren. Details klärt man später!

Womit wir beim letzten Thema wären: Der freiheitliche Westen.
Das konnte man – zumindest sinngemäß – häufig lesen: Der freiheitliche Westen sendet ein einiges und eindeutiges Signal an den Musterdiktatoren Putin und den Islamischen Staat: So nicht! Wenn jemand Menschenrechte bricht, dann wir!
Dass der Westen so frei gar nicht ist, haben wir schon angedeutet. Zusätzlich dazu führt Deutschland – als eines der freiesten Länder des Planeten! – nun die anlasslose Vorratsdatenspeicherung ein. Wie das die Freiheit schützt oder gar befördert? Mein bescheidenes bürgerliches Hirn ist nicht in der Lage, dies zu denken.
Frankreich möchte freiheitsmäßig natürlich nicht nachstehen und hat in dieser Woche ein Überwachungsgesetz beschlossen***, dass in zentralen Punkten offenbar sehr schwammig formuliert ist. Zu diesem Gesetz ein Zitat aus dem verlinkten Artikel, es stammt vom russischen Journalisten Evgeny Morozov: “Wenn Algorithmen in der Lage sind, uns Filme zu empfehlen, die wir eventuell mögen könnten – warum sollten sie uns dann nicht auf Verdächtige hinweisen, die wir dann untersuchen könnten?“
Allein dieser Gedanke birgt genug Sprengstoff, um ein solches Gesetz und alle ihm auch nur entfernt ähnlichen Gesetze eigentlich intuitiv verwerfen zu müssen, aber ich sehe schon die zahlreichen Musterbürger vor mir, wie sie auf facebook und twitter verkünden, wie viele “potentielle Terroristen” sie bislang überführt haben – tausende likes inklusive: Echtzeit-Schwarmüberwachung – der feuchte Traum eines jeden Diktators! Aber hey, Hauptsache #jesuischarlie!

Zum Abschluss des Themas “Der freiheitliche Westen” und als Resümee für diesen Artikel:
spiegel.de: Polizei-Einsatz bei G7-Demonstration: Betreuungsschlüssel von fünf zu eins, Björn Hengst mit dem Zitat: “…aber US-Präsident Barack Obama und die anderen Gäste im Schloss Elmau bekamen keinen Demonstranten zu Gesicht.”
Das hätte die Stimmung auf diesem Fake-Event auch extrem belastet, wenn die Spitzenpolitiker auch nur einen Demonstranten gesehen hätten.
Ein Betreuungsschlüssel von 5:1 bedeutet übrigens, dass 5 Polizisten auf 1 Demonstranten kommen. Ich halte das für angemessen bei einem Treffen der 7 bedeutendsten Demokratien.

PS: Wichtig ist, dass die ganze Welt nun wieder denkt, dass jeder verfickte Deutsche zu jeder Tag- und Nachtzeit in Tracht rumrennt und sich nicht-gegrillte Würste ins Maul schiebt!

 

 

Quellen:
* berliner-zeitung.de: Klimaschädliche Kohlekraftwerke: Sonderabgabe für Kohlekraftwerke wohl vom Tisch, Thorsten Knuf

** spiegel.de: Eintracht in Elmau: Die Ergebnisse des G7-Gipfels, mik, dpa

*** dw.de: Neues Gesetz: Frankreich darf überwachen, Kersten Knipp

HSV: Too big to fail

Man muss den Sport auch einfach mal beiseite lassen und feststellen: Für das Produkt Bundesliga ist der HSV unverzichtbar.

 
Zusatz vom 01. Juni 2015, 22:50 Uhr:
Nun, das ging schnell. Aufgrund einer Urheberrechtsverletzung meinerseits wurde mein Video gesperrt.
Aber gut, die Aussage dieses Beitrags bleibt davon natürlich unberührt.