FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014: Noch nicht einmal begonnen und ich hab schon die Schnauze voll

Wenn es für mich – neben anderen, wichtigeren Gründen – einen zusätzlichen Grund bräuchte, die diesjährige WM zu boykottieren, dann wäre es sicher die Werbeflut.

Vor ein paar Wochen ging es mit einzelnen Spots los, mittlerweile ist es unerträglich. Es dauert noch knapp einen Monat, bis das Turnier überhaupt beginnt, aber schon jetzt meint jede Firma, sie müsse den Fernsehzuschauer jeden Tag mit WM-Werbespots bombardieren.
Egal, wie gering der Bezug zum Thema Fußball auch ist, einen WM-Spot kann man trotzdem machen. Autos, Lebensmittel, Drogerieprodukte, Technik: Plötzlich hat alles irgendwie mit Fußball zu tun. Ekelhaft.
Es ist sicher nur meine ganz eigene, selektive Wahrnehmung, aber mir kommt es so vor, als sei es noch nie so extrem gewesen wie in diesem Jahr.

Und ich verstehe ja auch, was dahinter steckt. Werbung versucht, Emotionen mit Produkten zu verbinden. Gerade in Deutschland eignet sich Fußball hervorragend als Emotionsträger.

Ich finde es aber scheiße, dass uns der Fußball nicht mehr gehört. Er gehört nun Konzernen, die ihn einzig und allein dazu benutzen, Profit zu machen. Diese Konzerne lieben den Fußball nicht. Sie benutzen ihn nur, weil sie damit die meiste Kohle machen können. Wäre bei uns Basketball der mit Abstand beliebteste Sport, würden all die Konzerne, die jetzt den Fußball so feiern, statt mit Fußball eben mit Basketball werben.

Wo wir schon dabei sind: Konzerne nehmen uns auch unsere Emotionen weg. Als Beispiel hier der Werbespot von Suzuki für den SX4 S-CROSS:

Was bitte schön hat ein Auto, wie toll es auch sein mag, mit dem Song “Without You” von Mariah Carey zu tun?*
“Can’t live without you”, bezogen auf ein Auto, ist so unsinnig – besser noch nicht-sinnig, weil aktiv gegen den eigentlichen Sinn –, dass es schon weh tut.
Der Werbespot ist nur stellvertretend, denn die Kritik gilt im Prinzip für jede Werbung. Autos, ohne die man nicht leben kann. Freunde, die nur dann Freunde bleiben, wenn man jedes Jahr ein neues Smartphone hat. Smartphones als Voraussetzung dafür, kreativ zu sein und sich auszudrücken.

Ich will 2 Dinge.
Ich will, dass Konzerne uns unsere Emotionen lassen und sie nicht verwässern und in ihrem Sinne uminterpretieren. Ich hasse Gehirnwäsche!
Weil ich weiß, dass die Konzerne ihr Verhalten nicht von sich aus ändern, will ich, dass wir uns unsere Emotionen zurückerobern.
Wir dürfen uns nicht von Konzernen anerziehen lassen, was wir zum Leben brauchen, was uns glücklich macht, was wir lieben.
Eine bestimmte Biermarke macht eine Party nicht zu einer großartigen Party. Es sind die Menschen, denen wir auf der Party begegnen, mit denen wir Zeit verbringen, die diese eine Party zur besten Party aller Zeiten machen.
Ein bestimmtes Auto macht die Autofahrt nicht zu etwas Besonderem. Es sind die Menschen, die uns begleiten oder zu denen wir hinfahren, die diese eine Autofahrt zur Schönsten machen, die wir jemals erlebt haben.
Es ist nicht das Notebook, das Tablet oder das Smartphone, dass unsere Gedanken, Bilder, Lieder niederschreibt. All diese lebensnotwendigen Devices schaffen keine Kunstwerke. Das sind immer noch wir, die Menschen.

Macht euch das an jedem einzelnen Tag klar. Dann ist schon viel gewonnen.

 

* im Werbespot ist der Sänger offenbar nicht Mariah Carey, sondern Rob Warner (laut der Kommentare unter dem Video); Original: Von der Band Badfinger, geschrieben von Peter Ham und Thomas Evans (Quelle: Wikipedia: Badfinger – Without You)

 

Quelle:
Werbespot von Suzuki für den SX4 S-CROSS: http://youtu.be/VEkNSDeO4Vk

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