Freudig und begierig gingen sie zur Schlachtbank!

2013. Zweitausenddreizehn.
Zukünftige Generationen werden abfällig auf unsere Generation und dieses Jahr hinabschauen und sich fassungslos fragen: Warum?
Warum habt ihr das gemacht?
Warum habt ihr das mit euch machen lassen?
Warum habt ihr nichts dagegen getan?
Warum…ja warum…habt ihr nicht einmal etwas dagegen gesagt?

Diese zukünftigen Generationen werden in einer real gewordenen Dystopie leben.
Ihre Regierenden werden permanent wissen, wo jeder einzelne Bürger sich aufhält, was jeder Einzelne denkt, was jeder Einzelne kauft.
Mehr noch: Wo jeder Einzelne wann sein wird, was jeder Einzelne denken wird, was jeder Einzelne kaufen wird und ob er sich das überhaupt leisten kann.
Am wichtigsten aber wird sein: ihre Regierenden werden vollends gelernt haben, dieses Wissen zu nutzen.

Wir sind der Übergang.
Wir hätten die Möglichkeit, die Zukunft zu verändern, vielleicht sogar die Zukunft abzuwenden.
Aber machen wir uns nichts vor: Wir werden diese Möglichkeit in den Wind schießen.
Der Zorn, den zukünftige Generationen auf uns verspüren werden, wird absolut gerechtfertigt sein.
Sie werden Dinge sagen wie:
”Ja, Smartphones waren eine gute Idee, aber warum musstet ihr damit permanent online sein? Und wozu brauchten sie GPS-Empfänger?”
”Ja, Social Networks haben eine gewisse Berechtigung, aber warum musstet ihr dort veröffentlichen, was ihr zu einer bestimmten Zeit wo tut?”
”Ja, es ist gut, dass sich die Regierung darum kümmert, dass terroristische Bedrohungen minimiert werden, aber was zur Hölle hat unser Privatleben damit zu tun?”

Zukünftige Generationen werden sich fragen, warum Edward Snowden in keinem der westlichen, “freiheitlich-demokratischen” Länder Asyl bekommen hat und warum wir das zugelassen haben.
Warum wir zugelassen haben, dass Bradley Manning verurteilt wurde.
Warum wir zugelassen haben, dass Julian Assange in Ecuador Zuflucht suchen musste.
Warum wir zugelassen haben, dass der Guardian Festplatten mit Material von Edward Snowden zerstören musste.
Warum wir zugelassen haben, dass Alan Rusbridger vor dem britischen Parlament die Veröffentlichungen des Guardian rechtfertigen musste.

Man wird sich in Zukunft fragen, warum, um alles in der Welt, sich freie Bürger behandeln ließen wie Untertanen.
Wofür Könige und Kaiser abgeschafft, Päpste aus weltlichen Belangen verbannt wurden. Warum so viele Menschen jahrhundertelang dafür gekämpft haben, die Macht einzelnen Herrschern zu entreißen, um sie im Volk zu vereinen.

Nur, um dann von unserer hirnlosen Generation dem Komfort und dem Konsum geopfert zu werden.
Spyware installieren und dauerhaft online sein, um das neueste Computerspiel zocken zu dürfen? Kein Problem.
Stundenlang in der Schlange stehen, um das neueste Spyphone kaufen zu dürfen? Na klar, während ich warte, poste ich noch coole Bilder von diesem Event. Liebe NSA, kann ich mir das neue Modell auch wirklich leisten? Schickt mir die Bestätigung doch bitte per Whatsapp.
Internetfilter, um Kinderpornografie und Terrorismus zu bekämpfen? Also bitte, welcher normale Mensch könnte dagegen sein?
Klarnamenzwang, damit auffällige Meinungen unzweifelhaft zugeordnet werden können? Hey, wieso nicht? Ich hab schließlich keine auffällige Meinung!
Permanente, totale Überwachung aller Aspekte all unserer Leben? Tss…wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.

Klar wäre es besser, wenn das alles irgendwie anders laufen würde.
Aber was können wir schon tun? Wir sind schließlich nur Untertanen.
Klar wäre es besser, wenn das alles irgendwie anders laufen würde.
Aber dafür auf das neue Battlefield verzichten? Auf das neue Spyphone? Auf Facebook und Whatsapp? Darauf, der Welt permanent mitteilen zu können, wie geil! ich bin?
Außerdem ist es doch gut, wenn ich weiß, wann meine Freunde meine Nachrichten gelesen haben. Was soll daran verkehrt sein?

Ich möchte mit diesem Text unserer Gesellschaft, unserer Generation keinen Spiegel vorhalten. Dafür ist selbst meine Zeit zu wertvoll.
Ich möchte nur unmissverständlich klarstellen und festhalten, dass wir die Chance hatten, George Orwell zu widerlegen und dass wir diese Chance nicht nur nicht genutzt haben, sondern sie sehenden Auges und mit Freude in den Wind geschossen haben.
Das ist allein und unzweifelhaft unsere Schuld.
Nach dem 2. Weltkrieg hieß es in Deutschland: “Was, unsere Nachbarn wurden entführt, gefoltert und systematisch vernichtet? Davon haben wir NICHTS gewusst, ja nicht einmal etwas geahnt!”
Bei uns wird es heißen: “Was, die Informationen, die wir preisgegeben haben, wurden letztlich gegen uns verwendet?” Davon haben wir NICHTS gewusst, ja nicht einmal etwas geahnt!”
Und wie nach dem 2. Weltkrieg werden unsere Nachfahren wissen: “Ihr habt nur dann nichts davon gewusst, wenn ihr nichts davon wissen wolltet.”

Ich entschuldige mich zutiefst für mein eigenes Verhalten und das meiner Generation. Ich weiß, wir hätten mehr…Entschuldigung…
Ich weiß, wir hätten etwas tun müssen.

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Ein Gedanke zu “Freudig und begierig gingen sie zur Schlachtbank!

  1. ^^ ähm…netter Text, klar in Zukunft werden sämtliche Menschen überwacht, sogar beim Sex…! aber man kann es ja verhindern , nur wie? streiken???? 🙂

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