Massenmedien = Bullshit – Teil 3: Folterszene in GTA V = Untergang des Abendlandes

Letztens sah ich folgenden Bericht in der ARD:

Daraufhin surfte ich auf tagesschau.de
Und was fand ich da?
Das hier

Folter-Videospiel “Grand Theft Auto V”
Autos klauen reicht nicht mehr
Das Videospiel Grand Theft Auto (übersetzt: schwerer Fahrzeugdiebstahl) ist so erfolgreich wie umstritten – denn “GTA” lebt vor allem von Gewaltszenen. In der Neuauflage brechen die Macher nun mit einem weiteren Tabu: Folter. Was sagen Spieletester dazu?

Wo soll ich nur anfangen? Der ganze “Bericht” ist an Demagogie kaum zu überbieten:

1. Die Überschrift
Folter-Videospiel “Grand Theft Auto V” suggeriert, dass sich dieses Spiel um nichts anderes dreht, als das Foltern, was falsch ist

2. Der Untertitel
”Autos klauen reicht nicht mehr” suggeriert, dass Videospiele Tabus brechen müssen, um erfolgreich zu sein

3. Der “Einleitungstext”
”Das Videospiel Grand Theft Auto […] ist so erfolgreich wie umstritten”, ist eine simple Behauptung. Weltweit ist Grand Theft Auto eine der erfolgreichsten Marken unserer Zeit. Sowohl vom Umsatz, als auch von den Bewertungen der Fachjournalisten her.

”[…] denn “GTA” lebt vor allem von Gewaltszenen” ist eine simple Behauptung, denn das Spiel gilt als Standard-Setzer in seinem Genre, dem Open World-Spiel. Es lebt in erster Linie von der glaubhaften Simulation einer offenen Welt, welche der realen Welt in parodistischer Art und Weise nachempfunden ist.
Wo wir gerade dabei sind: Würde die Tagesschau zum Film “Der Soldat James Ryan” sagen: Der Film lebt vor allem von Gewaltszenen?

”In der Neuauflage brechen die Macher nun mit einem weiteren Tabu: Folter.” Es handelt sich um den 5. Teil einer Reihe, in der die einzelnen Teile eher lose miteinander verbunden sind und nicht um eine Neuauflage (möglicherweise sehe ich hier das Wort “Neuauflage” zu streng). Des weiteren wird kontextlos unterstellt, dass GTA seit jeher dafür bekannt ist, Tabus zu brechen.

“Was sagen Spieletester dazu?”
In diesem Bericht? Gar nichts. Weil in dem Bericht schlicht kein einziger professioneller Spieletester zu Wort kommt. Stattdessen hat man eine “Computerspielentwicklerin” (ich konnte bei einer kurzen Recherche nicht ermitteln, dass diese Person überhaupt schon ein Computerspiel fertig entwickelt und veröffentlicht hat) und einen Studenten gefunden, die mediengeil genug waren, diese Art der Berichterstattung zu unterstützen. Shame on you two!

Was natürlich nicht fehlen darf: eine Menschenrechtsorganisation!
Amnesty International (!) hat sich dazu herab gelassen, ein Videospiel zu verurteilen. Weil: wenn Folter in einem Videospiel stattfindet, werden der Ernst und die Illegalität des Ganzen nicht mehr deutlich.
Stattdessen – und das ist jetzt meine Interpretation – sollte man lieber jeden Tag die Nachrichten lesen und anschauen, weil man dann ziemlich schnell versteht, dass es sich tatsächlich auszahlt oder zumindest nicht schadet, unehrlich, kriminell und brutal zu sein.

Von all dem mal abgesehen: Wirklich?
Ist das ein Thema, das wir ernsthaft diskutieren wollen: Virtuelle Folter?
Folter also, bei der niemand zu Schaden kommt?

Es geht um ein Videospiel eines amerikanischen Herstellers, welches in einem virtuellen Los Angeles spielt und das Folter thematisiert, genauer gesagt: in welchem eine Szene vorkommt, in der man als Spieler gezwungen ist, jemanden zu foltern, um die Geschichte voranzutreiben.
Dass das ganze Spiel eine Parodie auf die heutige (amerikanische) Gesellschaft ist, wird meiner Meinung nach nicht deutlich genug bzw. wird es bewusst in Frage gestellt.

Davon abgesehen: Liegen in diesem Zusammenhang nicht andere Themen näher?
– Folter und Gewalt in Filmen und Serien und ihre jeweilige Aussage
– damit einhergehend eine mögliche Reifung von Videospielen
– Folter und Gewalt in kriminellen Milieus
– Folter und Gewalt in der Realität

Die USA würden sich ja eigentlich geradezu anbieten.
Sie haben nicht nur in vergangenen Kriegen selbst gegen Zivilbevölkerung brutalste Mittel angewandt (die einzige Nation, die jemals Atombomben eingesetzt hat!), sondern foltern auch heute quasi ungeniert vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Aber nein, wie naiv von mir, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den augenscheinlichen Themen auch nur im Ansatz zu erwarten.
Stattdessen ist es natürlich sinnvoller, 3 Minuten darauf zu verwenden, einen der erfolgreichsten Verkaufsstarts eines Videospiels in einem zweifelhaften Licht erscheinen zu lassen.
Ich frage mich, wer hierbei federführend war.

Die gute Nachricht zum Schluss:
Die Übeltäter dieser Welt brauchen sich keine Sorgen zu machen.
Denn bevor die Massenmedien auch nur auf die Idee kommen, ernsthafte, drängende Themen zu behandeln, eröffnen sie viel lieber Scheinthemen wie dieses.

Gratulation! Dieses Mal an die ARD!

Last, but not least: Wenn man schon bei einem solch belanglosen Thema so offensichtlich und bewusst verarscht wird, wie ist das dann bei den wirklich wichtigen Themen?

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